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Work-Life-Balance

Mach mal Pause!

Überstunden, Stress, Erreichbarkeit selbst in der Freizeit: Der Ausgleich zwischen Job und Privatleben stellt für viele Menschen eine wachsende Herausforderung dar. Doch mit einer klugen Arbeitsgestaltung können die Unternehmen ihren Beschäftigten mehr Spielräume für die Freizeit ermöglichen. Drei Arbeitgeber erläutern ihr Modell.

Bei der Work-Life-Balance gibt es Luft nach oben. Immerhin steht Deutschland auf Platz 8 unter 38 OECD-Mitgliedsstaaten. Berufstätige in Ländern wie den Niederlanden, Schweden und Frankreich sind glücklicher mit der Vereinbarkeit von Job und Privatleben. Das geht aus dem Better Life Index der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Oft beklagen deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die hohe Arbeitslast: Für 60 Prozent gehören Überstunden zum Alltag, zeigt die Studie „Arbeitszeitmonitor 2017“ von COP CompensationPartner. Die Digitalisierung verschärft mitunter die Probleme, denn sie lässt Arbeit und Freizeit verschwimmen. Die Folge der Beanspruchung: Viele Menschen wälzen noch nach Feierabend berufliche Probleme. Vielen gelingt es nicht mehr, abzuschalten oder sich zu Freizeitaktivitäten aufzuraffen. Darunter leidet auch das Familien- und Sozialleben. Doch es gibt für Arbeitgeber viele Wege, die Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten zu verbessern und damit deren Produktivität zu stärken. Auf den folgenden Seiten erläutern Führungskräfte von Xing, Ecovis und Tandemploy, wie ihnen das mit einer klugen Arbeitsorganisation gelingt. VBG-Arbeitspsychologin Jasmine Kix beschreibt, welche Faktoren Berufstätige besonders belasten und wie sich mehr Freiraum zur individuellen Lebensgestaltung schaffen lässt.

Robert Neuhann arbeitet als Team Lead Recruiting bei Xing SE in Hamburg. Xing ist ein soziales Netzwerk für Berufstätige. Das Unternehmen hat rund 1.300 Beschäftigte. Es setzt sich für zukunftsweisende Arbeitsmodelle ein.

Abschalten bringt Energie

Robert Neuhann, Team Lead Recruiting bei Xing SE in Hamburg

„Stoßzeit ist bei uns eigentlich immer. Mir persönlich macht das großen Spaß, ich arbeite gerne und ziemlich viel. Allerdings ist es auch mir wichtig abzuschalten. Sonst würde ich die kreative Energie verlieren. Nach Feierabend versuche ich, keine beruflichen Nachrichten zu beantworten. Dann mache ich Sport, spiele Klavier oder schaue zu, wie kleine Wassertierchen in meinem Aquarium krabbeln. Dabei werde ich ganz tiefenentspannt. Bei Xing gehört es zur Unternehmenskultur, die individuelle Work-Life-Balance zu unterstützen. An ruhigeren Arbeitstagen gehe ich früher nach Hause oder komme später ins Büro. Deswegen schaut mich hier keiner schief an. Nach drei Jahren habe ich ein Anrecht auf ein Sabbatical. Das Sabbatical ist der neue Dienstwagen, sagt Thomas Vollmoeller, unser CEO, der selbst als erster CEO eines börsennotierten Unternehmens ein Sabbatical gemacht hat. Mit diesem Satz umschreibt er einen grundsätzlichen Wertewandel in der Berufswelt. Bei Xing gelingt es uns schon ganz gut, die Arbeit so zu gestalten, dass der Einzelne darin Sinn, Verantwortung, Wertschätzung und Freiräume erfährt. Wahrscheinlich wirken auch unsere vierbeinigen Kollegen positiv auf das Betriebsklima. Wer möchte, darf seinen Hund mitbringen.“

Bild Dr. Bernd Dobmann

Dr. Bernd Dobmann ist Personalleiter bei Ecovis in München. Die Ecovis-Gruppe ist eine große Steuer- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft. Zu den Mandanten zählen vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen.

Mobilität spart Zeit

Dr. Bernd Dobmann, Personalleiter bei Ecovis in München

„Regularien und Rechtsprechung in Steuergesetzgebung und Wirtschaftsprüfung ändern sich ständig. Unsere Fachleute bilden sich daher fortwährend weiter. Für viele macht das den Reiz dieses Berufes aus, es kann aber auch eine Belastung sein. Steuerberater in Einzelkanzleien zum Beispiel müssen sich oft über das Wochenende in neue Fachgebiete einlesen, um ihre Mandanten rechtssicher beraten zu können. Bei Ecovis dagegen sind wir ein großes Team mit deutschlandweit rund 1.500 Beschäftigten. Wir haben ein starkes Backoffice, das unsere Mitarbeiter bei komplexen Fragen unterstützt. Diese Hilfe ist eine echte Entlastung. Dank unseres Netzes von mehr als 100 Standorten halten sich lange Dienstreisen in Grenzen. In der Regel betreut ein nahe gelegenes Büro vor Ort die Mandaten. Unsere Führungskräfte sind mit Smartphone und Tablet ausgestattet, um örtlich flexibel arbeiten zu können – auch das spart Zeit. Nach Feierabend dürfen sie diese in der Schublade lassen – niemand muss in der Freizeit erreichbar sein. Zudem unterstützen wir die Work-Life-Balance mit individuellen Coachings. Ich persönlich arbeite gerne bei Ecovis und habe zugleich genügend Zeit für meine Familie. Die Balance stimmt.“

Bild Jana Tepe und Anna Kaiser

Jana Tepe und Anna Kaiser, Geschäftsführerinnen von Tandemploy in Berlin. Tandemploy unterstützt Unternehmen und Beschäftigte mit Software für innovative Arbeitsmodelle und Kollaborationsformen.

Flexibilität schafft Freiräume

Jana Tepe und Anna Kaiser, Geschäftsführerinnen von Tandemploy in Berlin

„In Unternehmen mit Nine-to-five-­Kultur schnappt oft die Teilzeitfalle zu: Wer seine Arbeitszeit reduziert, hat es häufig schwerer, Führungsaufgaben zu übernehmen. Doch es geht auch anders: Wir leiten unser Start-up als Tandem. So können wir trotz Unternehmensgründung lebensfreundliche Arbeitszeiten leben. Diese Freiheit bieten wir unseren 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenso. Jeder erhält nach Möglichkeit seine Wunscharbeitszeiten – selbstverständlich auch nine to five, wenn jemand das möchte. Damit dieses Modell funktioniert, müssen die Teammitglieder ihre Arbeitsprozesse miteinander sorgfältig abstimmen. Als Chefinnen machen wir so wenige Vorgaben wie möglich. Neue Arbeitsmodelle lassen sich nämlich nicht von oben überstülpen. Nur wenn sie von den Beschäftigten mitentwickelt werden und deren Bedürfnissen entsprechen, können sie nachhaltig erfolgreich sein. Bei einer Regel sind wir allerdings streng autoritär: Keiner isst am Schreibtisch. Jeder soll gesunde Pausen machen. Außerdem arbeiten wir nach bayerischem Kalender, haben also vier Feiertage mehr als in Berlin üblich. Der bayerischen Wirtschaft hat dieses Mehr an Freizeit nicht geschadet – im Gegenteil.“

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