Logo Certo
Logo VBG
Logo Certo

Rehabilitation

Mutmacher nach dem Unfall

Aufgrund eines Motorradunfalls ist Christian Scheidt querschnittsgelähmt. Trotzdem arbeitet er weiterhin als Dozent in der Fahrlehrerausbildung und lässt sich seine Mobilität nicht nehmen. Außerdem macht er als Peer für die VBG anderen Menschen Mut, die ebenfalls einen Arbeitsunfall erlitten haben.

Wenn Christian Scheidt mit seinem Unterricht beginnt, ist er leidenschaftlich bei der Sache. Behände bewegt er sich durch die behindertengerechten Seminarräume und erklärt an der Tafel oder am Beamer, worauf die angehenden Fahrlehrer besonders achten müssen. Dieser theoretische Teil seiner Arbeit hat sich seit seinem Unfall kaum verändert. „Ich kann noch genauso unterrichten wie vorher. Ich habe mich eben nur hingesetzt“, sagt Scheidt dazu und lacht. Praktischen Unterricht gibt er zwar kaum noch, auf Achse ist er beruflich trotzdem. Zum Beispiel, wenn er für den TÜV als externer Dozent in Bayern oder Baden-Württemberg unterwegs ist. Für den 36-Jährigen sind solche Dienstreisen gar kein Problem: Sein weißer VW-Bus ist mit einer fernsteuerbaren Rampe versehen, über die Scheidt schnell und sicher in das Fahrzeug einsteigen kann. „Ich will möglichst so leben, als würde ich gar nicht im Rollstuhl sitzen“, sagt Christian Scheidt. „Was mir nach meinem Unfall besonders viel Halt gegeben hat, war das Wissen, dass ich nach meiner Reha gleich wieder arbeiten kann.“

„Manchmal ist es am wichtigsten, dass dir einfach jemand zuhört.“
Christian Scheidt und Hündin Lela

Christian Scheidt führt weiternhin ein sehr mobiles Leben. Die VBG stand ihm nach seinem Arbeitsunfall zur Seite. Heute unterstützt er selbst als Peer Schicksalsgenossen.

Hilfe für Schicksalsgenossen

Seinen Optimismus will der Fahrlehrerausbilder mit anderen teilen: Im Rahmen eines Peer-Programms der VBG besucht Scheidt Menschen, die wie er einen schweren Arbeitsunfall erlitten haben. Er spricht mit ihnen – oder hat für sie ein offenes Ohr. „Denn manchmal ist es am wichtigsten, dass dir einfach jemand zuhört“, erklärt er aus Erfahrung. Die Reha-Manager der VBG machen Versicherte auf das Unterstützungsangebot der Peers aufmerksam und vermitteln bei Interesse den Kontakt.

An seinen eigenen Arbeitsunfall im April 2010 kann sich Christian Scheidt nicht erinnern. Er kennt das Geschehen nur aus Erzählungen. Der junge Dozent sollte ein Motorrad von Beilngries nach München überführen. Leider kam er dort niemals an. Er überquerte eine Kreuzung, als er von einem unvorsichtigen PKW-Fahrer, der ein Stoppschild ignoriert hatte, erfasst und durch die Luft geschleudert wurde. Die Diagnose nach langen Wochen im Koma war niederschmetternd: Scheidt hatte eine Quetschung des Rückenmarks zwischen dem neunten und elften Brustwirbel erlitten. Die Folge: Er ist von der Hüfte an querschnittsgelähmt.

Die Rehabilitation

Aufgrund der schweren Verletzung veranlasste die VBG-Bezirksverwaltung Würzburg Scheidts Verlegung in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau. „Das alleine bedeutete für mich schon eine erhebliche Erleichterung, weil die Klinik mit einer großen Abteilung für Rückenmarkgeschädigte ausgestattet ist“, erinnert sich Christian Scheidt. „Ich kenne viele Menschen, die, zynisch gesagt, nicht das Glück hatten, einen versicherten Arbeitsunfall zu erleiden. Sie sind ganz auf sich allein gestellt und müssen um jede Leistung und Hilfe kämpfen. Ich hatte neben Familie und Freunden mit der VBG einen starken Krisenpartner an meiner Seite.“

Eine gelungene Rehabilitation bedeutet, dass das Unfallopfer so weit wie möglich in sein altes Leben zurückkehren kann. Daher kümmerte sich die VBG noch während Scheidts Klinikaufenthalts um den Umbau seines damaligen Hauses und der Arbeitsstätte. „Wir unterstützen den Geschädigten nicht nur zum Zeitpunkt des Unglücks, sondern ein ganzes Leben lang“, erklärt Andreas Ebenbeck, Scheidts Reha-Manager bei der VBG Würzburg. Als Scheidt nach der Trennung von seiner damaligen Freundin zum Beispiel umzog und sich entschloss, ein Haus zu bauen, stand ihm Ebenbeck wieder tatkräftig zur Seite.

„Ich habe mit einem Architekten zusammen das ganze Haus behindertengerecht geplant. Natürlich habe ich die Vorgaben der VBG beachtet. Ziel ist schließlich, dass ich hier bis ins hohe Alter lebe. Daher wurde von barrierefreien Türen über Bewegungsräume vor den Toiletten bis hin zu einer unterfahrbaren Küche auf alles geachtet.“ Die Mehrkosten für die Barrierefreiheit übernahm die VBG.

Bewusster Leben

Auf die Frage, was sich in seinem Leben geändert habe, antwortet Scheidt mit Bedacht. „Ich arbeite weniger und nehme mir bewusst mehr Zeit für mich selbst.“ Zeit für sich selbst – das bedeutet in seinem Fall: ein- bis zweimal die Woche Krankengymnastik, wöchentliche Lymphdrainagen gegen die Schwellungen in den Beinen, aber auch mehr Zeit für Sport und für seine Hundedame Lela. Mit ihr ist Scheidt in seiner Freizeit am liebsten unterwegs und nutzt dafür seinen eigens umgebauten Segway, der auch unebene Wege bewältigt. „Nach dem Rollstuhl ist es das Hilfsmittel, das ich am meisten benutze. Ich bin täglich damit unterwegs. Das ist Lebensqualität pur.“ Schäferhündin Lela, die geduldig jede Bewegung ihres Herrchens beobachtet hat, macht sich mit einem kleinen Hüpfer bemerkbar. Scheidt weiß genau, was das zu bedeuten hat. Es ist mal wieder Zeit für einen Spaziergang.

DIE LEISTUNGEN DER VBG NACH EINEM ARBEITSUNFALL: www.vbg.de/reha

Das könnte Sie auch interessieren

Certo durchsuchen...