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Personal

Weiterbildung motiviert

Angebote zur Fortbildung können die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen fördern. Wie Arbeitgeber am besten vorgehen, erklärt Personalpsychologin Sabine Remdisch.

Praxistipps zum Human-Resources-Management gibt Prof. Dr. Sabine Remdisch.

Früher gab es ein scheinbar unfehlbares Mittel, um Angestellte in gute Arbeitslaune zu versetzen: die Gehaltserhöhung. „Heute sind weiche Faktoren wesentlich wichtiger als finanzielle Anreize“, weiß Professorin Sabine Remdisch. „Arbeitnehmer erwarten von ihrem Arbeitgeber ein positives Betriebsklima und Entfaltungsmöglichkeiten für ihre beruflichen Potenziale“, fasst die Personal- und Organisationspsychologin zusammen. Sabine Remdisch forscht an der Leuphana Universität in Lüneburg über Retention Management – so nennen Fachleute Strategien und Instrumente, mit denen Unternehmen Beschäftigte erfolgreich an sich binden können. Unter den Instrumenten zur Mitarbeiterbindung stellt die Wissenschaftlerin berufsbegleitende Chancen zur Weiterbildung als besonders wirksam heraus.

LERNEN ALS TEIL DER ARBEIT

Als Formel für die ideale Umsetzung von Fortbildungsmaßnahmen hat Sabine Remdisch den Begriff „Work-Learn-Life-Integration“ geprägt. Die Personalexpertin empfiehlt, dass Arbeitgeber unterstützende Strukturen bereitstellen, die den Beschäftigten das Erlernen neuer Fähigkeiten im Rahmen ihres normalen Arbeitsalltags ermöglichen. Solche Strukturen können Lernräume, feste Lernzeiten und technische Hilfsmittel wie Kopfhörer zur Nutzung von Lernsoftware am Arbeitsplatz sein. Besonders motivierend sind Veranstaltungen mit spielerischer und aktivierender Wissensvermittlung. Dafür bieten sich Formate wie „Lunch and Learn“, Wettkämpfe oder Quizshows an. „Entscheidend ist, dass der Arbeitgeber zeigt, dass er Weiterbildung unterstützt, forciert und honoriert“, fasst Sabine Remdisch zusammen.

Kleinen Unternehmen mit eng begrenztem Budget rät sie, Weiterbildungsprogramme in Kooperation mit anderen Betrieben umzusetzen oder Seminarangebote von Branchenverbänden zu nutzen. Berufsbegleitende Weiterbildung nach dem Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums wird auch als „Quartäre Bildung“ bezeichnet. „Dieser Bildungssektor steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen“, sagt Remdisch. Die Leuphana Universität Lüneburg erforscht, wie die Qualitätssicherung der Angebote gewährleistet werden kann. Als weiteren Faktor für die Mitarbeiterbindung hebt Sabine Remdisch ein angenehmes Betriebsklima hervor. Hier sind kleine und mittlere Unternehmen mit eher familiär geprägten Strukturen im Vorteil, denn dort haben die Führungskräfte besonders großen Einfluss auf die Unternehmenskultur. Durch Wertschätzung von Arbeit und Person können sie erheblich zur emotionalen Bindung der Angestellten beitragen. Allerdings erkennt die Wissenschaftlerin, die an der Leuphana Universität das Institut für Performance Mangement leitet, bei kleinen und mittelständischen Arbeitgebern auch besonderen Bedarf, Instrumente zur Mitarbeiterbindung einzusetzen. In der Regel gelten vor allem große internationale Unternehmen als attraktive Arbeitgeber. Diesen Nachteil müssten kleineren Betriebe mit erhöhtem Engagement im Retention Mangement wettmachen „Am Effektivsten sind Weiterbildungsangebote, wenn sie an die individuellen Entwicklungspläne und die Karriere-Optionen der Mitarbeiter angepasst werden“, ergänzt Sabine Remdisch.

AUSFÜHRLICHE INFORMATIONEN: www.leuphana.de

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