Logo Certo
Logo VBG
Logo Certo

Prävention

Doktor Fußball

Dr. Simeon Geronikolakis betreut zwei Fußballvereine aus der Oberliga. Sein Einsatz als Mannschaftsarzt ist Teil eines Projektes der VBG. Die Aufgabe des Sportmediziners ist nicht nur, Spieler nach Verletzungen zu behandeln. Vor allem hilft er dem Verein, Verletzungen und Spieler­ausfälle von vornherein zu vermeiden.

Der SGV Freiberg ist aus der sechsten wieder in die fünfte Liga aufgestiegen. Nun trainieren die württembergischen Fußballer intensiv, um den Klassenerhalt zu schaffen. „Der Ball muss permanent in Bewegung gehalten werden“, treibt Cheftrainer Ramon Gehrmann seine Jungs an. Währenddessen ist Dr. Simeon Geronikolakis am Spielfeldrand in ein Gespräch mit Freibergs Sportdirektor Dieter Gerstung vertieft. Sie erörtern den individuellen Gesundheitszustand der Spieler. Wer ist verletzt und fällt aus? Wer ist wieder einsatzbereit, sollte aber noch geschont werden? Wer benötigt Aufbaumaßnahmen für seine Fitness?

Sportler sind häufiger verletzt als Menschen in vielen anderen Berufen. „Fußball ist nicht nur wegen der oft harten Zweikämpfe gefährlich“, erklärt Dr. Geronikolakis. „Auch die komplexen Bewegungsabläufe mit Sprüngen, Sprints, schnellen Richtungswechseln, scharfen Antritten und abrupten Abstoppbewegungen belasten den Körper stark. Deshalb kommt es sehr häufig zu Verletzungen, die unerwünschte Ausfallzeiten nach sich ziehen können.“ Muskelfaserrisse, Bänderrisse, Muskelzerrungen und Sprunggelenksverletzungen sind häufige Erscheinungen im Fußball.

„Es gibt übereifrige Fußballer, die ich bremsen muss. Bei vernünftigen Spielern kann ich eher ein kontrolliertes Risiko eingehen.“

Mythos Verletzungspech

Sportverletzungen sind allerdings kein unvermeidbares Schicksal. „Ein großer Teil der Verletzungen ereignet sich ohne Kontakt mit einem Gegenspieler und ist durch geeignete Präventionsmaßnahmen unter Umständen verhütbar“, stellt der VBG-Projektleiter Wolf-Hinrich Deters klar. Genau dieses Ziel der Verletzungsprophylaxe verfolgt das von Deters geleitete Mannschaftsarzt-Verfahren, kurz M-Arzt-Verfahren genannt, der VBG. Jeder Sportverein mit gesetzlich unfallversicherten Sportlern kann am Verfahren teilnehmen. Ein Mannschaftsarzt, der M-Arzt werden will, muss den Qualifikationsanforderungen der VBG genügen. Seine Aufgabe ist es, Sportler zu untersuchen und alle Beteiligten im Verein im Hinblick auf die Verletzungsprophylaxe und auf die Regeneration nach Verletzungen zu beraten.

 

Florian Hägele, Sportlicher Leiter des SGV Freiberg, sieht in der Zusammenarbeit mit dem Mannschaftsarzt einen großen Vorteil für den Verein. „Dr. Geronikolakis steht mit uns im engen Austausch. Er hilft uns, die gesundheitliche Betreuung der Mannschaft und die Prävention von Verletzungen systematisch umzusetzen“, argumentiert er.

 

Dr. Geronikolakis ist ein erfahrener Fachmann. Der Orthopäde, Unfallchirurg und Sportmediziner aus Ludwigsburg betreut seit Jahren einzelne Spitzensportler sowie Profi- und Amateursportler in Vereinen und Nationalteams. Geronikolakis war unter anderem für den VfB Stuttgart tätig und ist aktuell Teamarzt der deutschen U-18-Nationalelf im Fußball. Als M-Arzt der VBG betreut er neben dem SGV Freiberg den FSV 08 Bissingen. Beide Fußballvereine spielen in der Oberliga.

Fingerspitzengefühl notwendig

„Ein Mannschaftsarzt benötigt viel Fingerspitzengefühl“, weiß Geronikolakis. „Ich kann einen gesundheitlich angeschlagenen Spieler nicht dazu zwingen, bei einem Spiel auszusetzen. Nur wenn Sportler und Trainer meiner Diagnose vertrauen, werden sie meinem Rat folgen.“ Oft beruhen die Empfehlungen des Arztes auf einer Risikoabwägung. Diese berücksichtigt die Wünsche des Spielers, die Ziele des Vereins und die Erfordernisse der Regeneration und Verletzungsprophylaxe gleichermaßen. Ein Beispiel aus der Praxis: Einer der Leistungsträger der Mannschaft hatte sich vor einem wichtigen Spiel eine schmerzhafte Muskelzerrung am Oberschenkel zugezogen. Sein Ausfall hätte das Team eines wichtigen Rückhalts beraubt. In dieser Situation ging Dr. Geronikolakis folgendermaßen vor: Zunächst vergewisserte er sich mit einer gründlichen Untersuchung, dass der Betroffene tatsächlich nur unter einer Zerrung litt. Hätte sich die Verletzung als ein Muskelfaserriss entpuppt, hätte er dringend vom Einsatz abgeraten. Denn dann hätte eine weitere Belastung den Muskel so sehr schädigen können, dass der Spieler anschließend sehr lange hätte pausieren müssen. „Als Lösung schlug ich vor, dass der Fußballer nur zu Beginn der Partie spielt, sofern er den Belastungstest beim Aufwärmen schmerzfrei absolviert. Sobald die Mannschaft sicher in Führung liegt, sollte der Trainer ihn auswechseln“, erzählt der Arzt. Um die Muskulatur des Verletzten zu entspannen, schickte er ihn zur Physiotherapie. Die Strategie glückte: Der Spieler konnte seinen Beitrag leisten, und die Mannschaft gewann das wichtige Spiel.

Ob der Mediziner bei einer leichten Verletzung grünes Licht gibt, hängt auch vom Charakter des Spielers ab. „Es gibt übereifrige Fußballer, die ich eher bremsen muss. Bei einem erfahrenen und vernünftigen Spieler, der auf seinen Körper achtgibt, kann ich eher ein kontrolliertes Risiko eingehen“, erklärt Geronikolakis. Die Palette von Maßnahmen, die ein M-Arzt im Verein ergreifen kann, ist umfangreich. Vor Beginn der Saison leitet er sportmedizinische Untersuchungen und eine Leistungsdiagnostik des Kaders in die Wege. Dazu gehören zum Beispiel Beweglichkeitstests, Muskelfunktionstests und Bewegungsanalysen. Bei Auffälligkeiten gibt der M-Arzt Interventionsempfehlungen. Er dokumentiert Verletzungen, empfiehlt Therapie- und Regenerationsmaßnahmen und beobachtet deren Umsetzung. Auch auf die Einhaltung der Anti-Doping-Bestimmungen hat der M-Arzt ein Auge.

„Insbesondere eine gute Koordinationsfähigkeit schützt einen Fußballer vor Verletzungen“, betont Simeon Geronikolakis. Deswegen sei es wichtig, dass körperliche Defizite erkannt und ausgeglichen werden. Im Rahmen einer ganzheitlichen Prävention macht der Mediziner sich ein Bild vom Gesamtzustand jedes Spielers und gibt zum Beispiel auch Empfehlungen zur richtigen Ernährung.

 

Finanzielle Unterstützung

Finanziell unterstützt werden die Präventionsmaßnahmen des M-Arztes durch die VBG. Im Rahmen des Prämienverfahrens Sport können Vereine Zuschüsse für die Durchführung von Verletzungsdokumentation und Leistungsdiagnostik beantragen. „Optimal für die medizinische Betreuung der Sportler wäre es eigentlich, wenn jeder Sportverein einen eigenen Arzt anstellen würde“, räumt Wolf-Hinrich Deters von der VBG ein. „Aber dafür fehlen vielen Vereinen die finanziellen Mittel. Mit dem Modellprojekt des M-Arzt-Verfahrens erproben wir daher eine Möglichkeit, die Rolle des Arztes bei der Verletzungsprävention im Vereinssport zu stärken.“

Das Training der Fußballer geht inzwischen zu Ende. Anschließend bittet Verteidiger Thomas Gentner „Doktor Gero“ – wie der Arzt mit dem schwer auszusprechenden Namen von den Freibergern genannt wird –, sein linkes Knie zu untersuchen, da es häufig schmerzt. Trotz der späten Tageszeit begibt sich der Arzt mit ihm ins Behandlungszimmer. „Ich habe früher selbst Fußball gespielt und brenne für diesen Sport. Notfalls bin ich bis Mitternacht für die Spieler da“, sagt Simeon Geronikolakis lachend. Eine Sportmannschaft, die von einem so engagierten Arzt unterstützt wird, kann sich glücklich schätzen.

MEHR INFORMATIONEN: www.vbg.de/m-arzt

Das könnte Sie auch interessieren

Certo durchsuchen...