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Informationsflut

Wenn das Gehirn überfordert ist

VBG-Arbeitspsychologin Jasmine Kix erläutert die neuen Belastungen des Informationszeitalters

Bild Porträt VBG Arbeitspsychologin Jasmine Kix

VBG-Expertin Jasmine Kix ist Arbeitspsychologin.

Frau Kix, überfordern uns zu viele Informationen?

Wir sind in unserer Umwelt ständig von Informationen umgeben – zunächst einmal ist das überhaupt kein Problem. Schwierig wird es, wenn wir von Reizen überflutet werden, sehr viele Informationen gleichzeitig oder in zu kurzer Zeit verarbeiten müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn jemand unter Zeitdruck Fehlerbehebung auf Webportalen macht und gleichzeitig permanent für Kunden telefonisch, per Mail oder über andere Nachrichtenanwendungen erreichbar ist.

In welchen Branchen der VBG macht sich die Informationsflut verstärkt bemerkbar?

Wissensintensive Branchen sind natürlich betroffen. Egal, ob in der Wissenschaft, Unternehmensberatung, Werbung, Marktforschung, in den Medien, in Versicherungen, bei Finanzdienstleistern und in Call-Centern. Außerdem wächst der Bereich der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sehr stark: Datenverarbeitung, Webportale und E-Commerce. Aber Informationsflut betrifft im Grunde alle Branchen. Die digitale Technik steigert die Effizienzmöglichkeiten im Arbeitsprozess, verändert Arbeitsaufgaben und Arbeitsorganisation.

 

LEITFADEN FÜR UNTERNEHMER

Die Handlungshilfe für die betriebliche Praxis zur psychischen Gefährdungsbeurteilung liefert Basisinhalte zur Ermittlung und Bewertung der psychischen Belastung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.

MEHR INFORMATIONEN: www.vbg.de/psyche

Was verändert sich durch die Digitalisierung?

Die digitale Technik ist für die Beschleunigung und Verdichtung der Information und Kommunikation ein entscheidender Faktor. Über 90 Prozent aller Unternehmen setzen Computer ein. 20 Prozent der Erwerbstätigen nutzen von Berufs wegen ein mobiles Gerät wie Smartphone oder Tablet. Wir alle kennen das: Neue Medien führen verstärkt zu Unterbrechungen bei der Arbeit und dazu, dass wir mehrere Dinge gleichzeitig machen. Fakt ist aber: Multitasking funktioniert bei Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit intensiv fordern, nicht. Fehler und schlechtere Arbeitsergebnisse können die Folge sein.

Welche Belastungen entstehen durch zu viele Informationen?

Im Prinzip ist es gut, kognitiv gefordert zu werden. Solche Anforderungen halten den Menschen bis ins hohe Alter geistig fit. Entscheidend ist aber die Dosis. Fortgesetzte Überlastung kann anhaltende Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten erzeugen. Die neuen Medien werden außerdem durch Störungen und Ablenkungen zu einem direkten Risiko. Wenn wir an Berufe wie Piloten, Fahrdienstleiter oder Kraftfahrer denken, wird klar: Hier ist kluge Arbeitsgestaltung und Handhabung der Technik gefragt. In diesem Zusammenhang ist viel darüber diskutiert worden, dass der Fahrdienstleiter bei dem Zugunglück von Bad Aibling ein Handyspiel am Arbeitsplatz genutzt hat.

Wie wirkt sich die ständige Erreichbarkeit durch mobile Empfangsgeräte aus?

Wenn wir nach Feierabend berufliche Anfragen bearbeiten und Nachrichten beantworten, schränkt das unsere Erholungsfähigkeit ein. Das kann auf Dauer nicht im Interesse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sein. Außerdem dringen durch Smartphone, Tablet & Co. private Interessen ins Arbeitsleben ein. Über die Bedeutung solcher Störungen sollte sich jeder Einzelne Gedanken machen, und darüber sollte in den Unternehmen gesprochen werden.

Was können Führungskräfte tun, um die Belastungen zu reduzieren?

Zunächst muss, wie es im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben ist, eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Dabei sind unter anderem soziale und technische Faktoren zu berücksichtigten. Anschließend sollten die Vorgesetzten durch geeignete aufgabenbezogene Arbeitsorganisation dafür Sorge tragen, dass die Beschäftigten nicht dauerhaft überfordert werden. Hilfreich ist es auch, feste Regeln zur Erreichbarkeit aufzustellen. Nach unserer Erfahrung fehlt es in vielen Betrieben noch an solchen klaren Vorgaben.

MEHR INFORMATIONEN: Seminar „Gesundheitskompetenzen fördern: Stress managen” (GKSPM), www.vbg.de/seminare

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