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Gesund wirtschaften

Schlank an den richtigen Stellen

In den Märkten für Sicherheits- und Gebäudedienste herrscht intensiver Wettbewerbsdruck. Wie Arbeitsbedingungen und Qualität trotz des Gebots zur Sparsamkeit nicht leiden, zeigt das Beispiel des Familienunternehmens Kötter Services.

Essen-Frillendorf ist typisch Ruhrgebiet: ein Stadtteil, unterhöhlt von Kohlestollen, geprägt von ehemaligen Zechen und Bergarbeitersiedlungen. Hier hat die Dienstleistungsgruppe Kötter Services seit Langem ihren Stammsitz. In den 90er-Jahren baute sie ein neues Verwaltungsgebäude – größer, heller, moderner –, blieb aber in der angestammten Nachbarschaft. Branchenunkundige werden nicht ahnen, dass vom bodenständigen Frillendorfer Gewerbegebiet aus mittlerweile ein bundesweites Netz mit mehr als 50 Standorten und fast 19.000 Mitarbeitern gesteuert wird: Kötter Services ist die deutsche Nummer zwei der Sicherheitsbranche und gehört in die Top 100 der beschäftigungsstärksten deutschen Familienunternehmen. Das Bundesinnenministerium, die Bundespolizei, Shell und Siemens zählen zu den Kunden. In den vergangenen zehn Jahren hat das Traditionsunternehmen seinen Umsatz mehr als verdoppelt – auf 545 Millionen Euro im Jahr 2016.

Bild Friedrich P. Kötter

Friedrich P. Kötter im Konferenzraum.

Dieser beeindruckenden Expansion liegt eine Philosophie des nachhaltigen Wachstums zugrunde. Einerseits achtet Kötter auf schlanke, effiziente Strukturen, andererseits investiert das Unternehmen konsequent in Erfolgsfaktoren wie Qualität und Arbeitssicherheit. Kötters Investitionsstrategie zeigt beispielhaft, wie gesundes Wirtschaften auch in Branchen mit hohem Wettbewerbsdruck möglich ist. Geleitet wird der Dienstleister in dritter Generation unter anderem von Friedrich P. Kötter und seiner Schwester Martina. Friedrich P. Kötter, groß, schlank, mit freundlich-neugierigem Blick, ist das Gesicht der Firma nach außen. Der 50-jährige Diplom-Kaufmann pocht auf strikte Qualitätsstandards. „Wir erbringen die Dienstleistungen mit unseren eigenen Mitarbeitern“, betont Kötter. „Wir setzen, bis auf punktuelle Ausnahmen beim Veranstaltungsschutz, keine Subunternehmen ein. Nur so lässt sich gewährleisten, dass unsere hohen Anforderungen an Qualität und Sicherheit tatsächlich eingehalten werden.“ Diese Aussage ist deshalb von so großer Bedeutung, weil die Securitybranche häufig nicht als Synonym für großzügige Investitionen in gutes Fachpersonal steht − ein Faktor, der bei Kötter etwa 80 bis 90 Prozent der Kosten ausmacht.

Zwar boomt das private Sicherheitsgewerbe, aber es drängen immer mehr Wettbewerber auf den Markt, die sich gegenseitig im Preis unterbieten. Insbesondere während der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016, als die Behörden händeringend Sicherheitskräfte für Flüchtlingsunterkünfte suchten, häuften sich die Beschwerden über Dumpinglöhne und schlecht ausgebildetes Sicherheitspersonal. Im Hauptgeschäft sieht sich Kötter Services derzeit rund 5.500 Marktbegleitern gegenüber, angefangen von kleinen Detekteien bis zu internationalen Großkonzernen. Durchweg ist Kötter mit Herausforderungen konfrontiert, die viele Unternehmen auch in anderen Branchen der VBG betreffen: Die Märkte sind preissensibel. Der Druck zum Outsourcing ist hoch. Der Wettbewerb internationalisiert sich zunehmend.

Die Digitalisierung beschleunigt den Wandel und bringt neue Akteure ins Geschäft. Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen alle Unternehmen Antworten auf die gleichen Fragen finden: An welchen Stellen können wir Kosten senken, um im Wettbewerb zu bestehen? In welchen Bereichen sollten wir in Know-how, technologische Weiterentwicklung und Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit investieren, um der Konkurrenz voraus zu sein?

Brutaler Überfall

Ein herausragendes Erfolgskriterium bei Kötter ist die Professionalität der Mitarbeiter. Diese sind selbst in hochsensiblen Bereichen wie Kernkraftwerken und Justizvollzugsanstalten tätig. Ihr Können bewährt sich auch in extremen Gefahrensituationen.

Im Dezember 2015 überfiel eine schwerbewaffnete Bande einen Geldtransporter von Kötter in Dortmund. Die Täter setzten Maschinenpistolen und eine Panzerfaust ein. Die beiden Sicherheitsmänner blieben unverletzt, da sie sich genau an die Verhaltensregeln für solche Notfälle hielten. Sie wurden für ihr „vorbildliches, deeskalierendes Verhalten“ von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste geehrt. „Unsere Mitarbeiter sind unser Vermögen“, sagt Friedrich P. Kötter. Ein Vermögen, das gepflegt und gefördert wird: Den Beschäftigten bietet der Dienstleister unter anderem kontinuierliche Aus- und Fortbildung an der firmeneigenen Kötter Akademie, psychologische Betreuung nach Krisensituationen durch die eigene Terapon Consulting GmbH sowie tarifliche oder übertarifliche Entlohnung. Kötters Sicherheitsleute an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn beispielsweise verdienen 16,55 Euro pro Stunde plus Zuschläge. Nach der Erfahrung von Friedrich P. Kötter zahlen sich solche Investitionen vielfach aus, insbesondere durch hohe Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterzufriedenheit. „Manche Beschäftigte sind schon in zweiter oder dritter Generation bei uns tätig“, bekräftigt er.

„Unsere Mitarbeiter sind unser Vermögen.“

In Arbeitssicherheit investieren

Zudem investiert das Familienunternehmen in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus. So wurden zum Beispiel Unfalldatenschreiber für die Fahrzeugflotte, knöchelhohe Sicherheitsschuhe und Wächterkontrollgeräte angeschafft. Die VBG belohnte diese präventiven Aktivitäten im Rahmen ihres Prämienverfahrens (mehr dazu im Infokasten „Prämien der VBG“). „Ich wünschte, es gäbe noch mehr solcher Präventionsprogramme“, sagt der Firmenchef. „Sie sind Motor für den Ausbau unserer eigenen Anstrengungen und würden auch andere Firmen zu mehr Maßnahmen beim Arbeitsschutz motivieren.“

Kosten senken

Um einerseits möglichst viel Geld in seine Mitarbeiter investieren zu können, achtet Friedrich P. Kötter andererseits auf die Kostenstruktur in seinem Unternehmen. Die interne Verwaltung steuert er so weit wie möglich auf elektronischem Wege von Essen aus. Einkauf, Marketing, Personalwesen und Rechnungswesen sind hier effizient zusammengefasst. Die ganze Unternehmensgruppe ist einheitlich über die VBG versichert. „Durch diese Leistungen aus einer Hand und den damit verbundenen Single Point of Contact folgen wir unserer Strategie einheitlicher Qualitätsstandards sowie schlanker und effizienter Prozesse“, unterstreicht Kötter.

Der Einsatz digitaler Technologien bei Kötter Services spart nicht nur unnötige Kosten. Er macht zugleich die Arbeitsabläufe sicherer und transparenter und kommt somit Mitarbeitern wie Kunden zugute. Kötters Serviceportal für Geldautomaten etwa bietet ein schnelles webbasiertes Störungsmanagement. Die Wachdienste werden im digitalen Wachbuch SmartControl nachvollziehbar dokumentiert. Die „Totmannfunktion“ der neuen Wächterkontrollgeräte schlägt automatisch Alarm, falls die Sicherheitskraft selbst nicht in der Lage ist, das Notsignal zu drücken. Software für die Routenplanung der Revierfahrzeuge und Geldtransporter reduziert Fahrtzeiten und Spritkosten.

Standbeine kombinieren

Um wirtschaftlich zukunftsfähig zu sein, hat Kötter Services die Geschäftsfelder diversifiziert. Gebäudereinigung, Personalvermittlung, Gesundheits- und Risikomanagement und andere Standbeine kamen hinzu. Das Unternehmen kombiniert seine Dienstleistungen zu Systemlösungen. „Wir bieten Komplettlösungen aus einer Hand. Dank dieses Konzepts waren wir am Markt besonders erfolgreich“, erklärt Friedrich P. Kötter. Gesundes Wirtschaften hat also nicht nur mit geschickten Kostensenkungen zu tun, sondern auch mit dem richtigen Geldausgeben: für Qualität, Arbeitssicherheit und nachhaltiges Wachstum.

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