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Gesund wirtschaften

„Man kann sich auch zu Tode sparen“

Auch kleine und mittlere Unternehmen können sinnvoll sparen und investieren. Ulrich Goldschmidt vom Verband der Führungskräfte gibt Praxistipps im Certo-Interview.

Bild Porträt Dr. Ulrich Goldschmidt

Dr. Ulrich Goldschmidt ist Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes Die Führungskräfte (dFK) in Essen.

Herr Dr. Goldschmidt, bei Einsparungen in Unternehmen denken viele an Entlassungen. Inwieweit steckt in Personalkosten das größte Sparpotenzial?
Diesen Reflex erleben wir immer wieder: Wenn die Kosten herunter müssen, wird als Erstes bei den Personalkosten angesetzt. Diese sind in der Tat ein Riesenbrocken. Im Dienstleistungsbereich bestehen die Betriebsausgaben fast ausschließlich aus Personalkosten. Dennoch warne ich: Man kann sich auch zu Tode sparen! Fast jedes Unternehmen verkündet heute als Credo: Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Ist es dann sinnvoll, genau an dieser Stelle zu sparen? Zumindest sollte die Mitarbeiterzahl nicht so knapp auf Kante genäht sein, dass Ausfälle nicht kompensiert werden können.

Nehmen wir an, das Senken der Personalkosten ist unvermeidlich – wie können Führungskräfte dann mit gutem Beispiel vorangehen?
Es ist heute schon der Regelfall, dass auch die Führungsebene einen Solidarbeitrag leistet. Der Verzicht auf variable Gehaltsbestandteile ist eine Möglichkeit, der Stellenabbau beim Führungspersonal eine andere. Ich empfehle, solche Maßnahmen ganz offen zu kommunizieren. Dies erhöht die Akzeptanz der Sparpläne.

Welche weiteren Maßnahmen, um ein Unternehmen schlank zu halten, haben sich bewährt?
Oft erzeugt ein Wust von Bürokratie überflüssige Arbeit und hemmt die Verwirklichung guter Ideen. Durch die Streichung von Bürokratie wird Arbeitskraft für wichtigere Aufgaben frei. Zudem sollte regelmäßig überprüft werden, ob es für die EDV günstigere und bessere Anbieter gibt. Das ist ganz normales Management.

Das macht für große Unternehmen sicherlich Sinn. Doch wie lassen sich diese Spartipps auf kleine Unternehmen übertragen?
Bei begrenzten Ressourcen ist es noch wichtiger, diese sinnvoll einzusetzen. Oft müssen Mitarbeiter in kleinen Unternehmen Aufgaben erledigen, für die sie gar nicht ausgebildet sind. Das ist womöglich ineffizient. Deswegen sollte dort entweder verstärkt in Weiterbildung investiert werden. Oder man überträgt diese Aufgaben an kompetente Dienstleister.

Welche neuen Möglichkeiten für Einsparungen eröffnet die Digitalisierung?
Die Digitalisierung vereinfacht die Kommunikation und beschleunigt alle Arbeitsabläufe in der Wirtschaft. Videokonferenzen sind inzwischen gang und gäbe. Das spart Zeit und Reisekosten für Meetings. Allerdings müssen Mitarbeiter und Führungskräfte für die technologische Weiterentwicklung fit gemacht werden.

Bei welchen vermeintlich „weichen“ Faktoren sollte besser nicht gespart werden?

Dazu zähle ich die Unternehmenskultur. In diesem Bereich kann man gar nicht genug investieren. Führung erfolgt heute nicht mehr nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Die Mitarbeiter erwarten Aufgaben, die sie eigenverantwortlich bearbeiten können. Möglichkeiten der Weiterbildung sind von großer Bedeutung. Eine zeitgemäße Führungskultur gibt den Beschäftigten die Gewissheit, dass sie ihr Potenzial im Unternehmen voll entfalten können. Nur mit motivierten Mitarbeitern ist ein langfristiger Geschäftserfolg möglich.

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Gut und schön. Aber wenn der Umsatz nicht mehr stimmt, wird doch häufig am Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) gespart ...
Prinzipiell muss BGM kontinuierlich betrieben werden. Nur dann funktioniert Prävention. In Krisenzeiten können allerdings außergewöhnliche Belastungen auftreten, denn oft wird die gleiche Arbeit auf weniger Personen verteilt. Daher muss der Unternehmer in der Krise prüfen, ob sein BGM ausreicht, und bei Bedarf zusätzliche Maßnahmen ergreifen.

Wie zahlen sich Investitionen in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aus?

Solche Erfolge zeigen sich vielleicht nicht als Plus in der Bilanz, aber an anderen Zeichen: durch Reduzierung des Krankenstandes, durch weniger Mitarbeiterfluktuation, durch höhere Zufriedenheit der Beschäftigten.

 

 

                    

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