Logo Certo
Logo VBG
Logo Certo

Krisenmanagement

„Jede Situation ist anders einzustufen“

Durchstandene Krisen bieten wertvolle Erkenntnisse für die künftige Notfallplanung. Ingrid Hofmann, Chefin von Hofmann Personal, berichtet von ihren Erfahrungen.

Bild: Porträt Ingrid Hofmann

Ingrid Hofmann ist Geschäftsführende Alleingesellschafterin von Hofmann Personal. Als Pionierin der Branche hat sie das Zeitarbeitsunternehmen 1985 gegründet. Heute zählt es zu den großen Personaldienst­leistern Deutschlands.

Welche bedrohlichen Situationen gab es im Laufe der Zeit in Ihrem Unternehmen?
Es gab verschiedene Bedrohungsszenarien. Ich denke da vor allem an die H1N1-Grippe-Pandemie im Jahr 2009 und an die Hochwasserstände in Ostdeutschland in den Jahren 2013 und 2016. Für diese Krisensituationen haben wir Notfallpläne aufgestellt, die allerdings prophylaktisch blieben. Von der Grippe waren nur wenige Beschäftigte betroffen.
Wegen des Hochwassers musste keine Niederlassung geräumt werden, aber es hat einige Mitarbeiter privat schwer geschädigt. Für sie hat das Unternehmen einen Spendenfonds eingerichtet. Evakuierungen von Niederlassungen haben wir allerdings aus verschiedenen Gründen schon mehrfach erlebt.

Was war passiert – warum mussten Sie evakuieren?

Zum Beispiel wegen eines Gasalarms und wegen Entschärfungen von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Zudem liegen einige Niederlassungen in der Nachbarschaft von Botschaften, bei denen Bombendrohungen eingegangen sind. In solchen Fällen nimmt die Hauptverwaltung umgehend Kontakt mit den Behörden auf, um schnellstmöglich deren Anweisungen Folge zu leisten. Die Mitarbeiter weichen nach Möglichkeit in eine andere Niederlassung aus. An allen unseren Standorten sind Evakuierungshelfer benannt.

Wie fließen solche Erlebnisse mit Bedrohungen in Ihren Notfallplan ein?
Wir lernen nicht nur aus eigenen Erlebnissen, sondern tauschen uns auch aktiv mit anderen Unternehmen über deren Erfahrungen mit Krisensituationen aus. Aufgrund der gesammelten Erkenntnisse haben wir einen Notfallplan als Muster entwickelt, der je nach Vorkommnis schnell angepasst werden kann. Denn in der Regel ist jede Situation anders einzustufen.

Wie sieht das Muster Ihres Notfallplans aus?
Wir gehen grundsätzlich so vor: Erfassen der Situation, Benennen der Verantwortlichen, Festlegen von Kommunikationsablauf und Kommunikationsinhalten, Erstellen eines detaillierten Ablaufplans, der Step by Step umgesetzt werden kann. Unser Ziel ist es, durch diesen klaren Plan ein überstürztes und gefährdendes Handeln zu vermeiden. Das Wissen um die notwendigen Schritte vermittelt Sicherheit!

„Das Wissen um die notwendigen Schritte vermittelt Sicherheit!“

Leitfaden für Unternehmen

Ratschläge für die Notfallplanung bietet der „VBG-Leitfaden für die Sicherheits- und Notfallorganisation“.

JETZT LESEN: www.vbg.de/leitfaden-notfall

Sie erwähnten vorhin die Grippe-Pandemie. Können Sie das Vorgehen an diesem Beispiel erläutern?
Unser Pandemieplan enthielt konkrete Schritte, falls die Infektion sich innerhalb unserer Belegschaft ausgebreitet hätte. Zunächst war aber wichtig, Kommunikationsspielregeln festzulegen. Die Beschäftigten wurden sachlich und dosiert informiert, um sie nicht in Angst und Schrecken zu versetzen. Ich wollte vermeiden, dass das Unternehmen quasi ab einem Tag X stillsteht. Unser Betriebsarzt war im Rahmen von Führungskräftebesprechungen eingebunden, um seine Sicht darzulegen und Fragen von verunsicherten Beschäftigten zu beantworten.

Der Notfallplan gilt nur für Ihre eigenen Niederlassungen. Welche Vorkehrungen treffen Sie für Notsituationen im Einsatz beim Kunden?
Maßnahmen für Kundenunternehmen können wir nicht definieren. Diese müssen selbst entsprechende Notfallpläne erstellen und an unsere Mitarbeiter kommunizieren, die ja in den Arbeitsprozess unserer Kunden integriert sind. Wir achten aber darauf, dass dies auch geschieht. Außerdem machen sich unsere operativen Führungskräfte bei Arbeitsplatzbegehungen ein Bild von den Sicherheitsmaßnahmen vor Ort. Alle Hofmann-Mitarbeiter werden regelmäßig zum Thema „Allgemeine Notfallmaßnahmen“ geschult und sensibilisiert.

Zuletzt noch eine Frage zu neuen Bedrohungen: Welche Rolle spielen für Sie digitale Gefahren wie Hackerangriffe oder Datenverluste?
Leider ein Thema, mit dem wir uns inzwischen vermehrt beschäftigen müssen. Unsere IT-Abteilung einschließlich unserer Datenschutzbeauftragten etablieren entsprechende Schutzmechanismen. Zusätzlich unterstützen uns Softwarefirmen mit ihrer Expertise. Über Pene-trationstests lassen sich die Schutzmaßnahmen erproben. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Cyberkriminalität durch die Digitalisierung zunimmt oder wir mit uns noch völlig unbekannten Themen konfrontiert werden. Arbeitgeber sollten sich entsprechend rüsten, um Schaden vom Unternehmen fernzuhalten.

Das Interview führte Felix Enzian.

Das könnte Sie auch interessieren

Certo durchsuchen...