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Führungsqualität

Was motiviert Mitarbeiter wirklich?

Weiche Faktoren wie Wertschätzung, Eigenverantwortung und Work-Life-Balance werden in der Mitarbeiterführung immer wichtiger. Doch sind ein gutes Gehalt, ein sicherer Job und Aufstiegschancen nicht ebenso starke Faktoren für die Motivation? Ein Arbeitgeber, eine Expertin und ein Arbeitnehmer geben Auskunft, welche Anreize aus ihrer Sicht wirklich zählen.

Fabian Kienbaum

Motivationslage

„Ich schätze die Motivation der Mitarbeiter bei Kienbaum insgesamt hoch ein. Doch ich muss mich als Arbeitgeber auch immer wieder hinterfragen: Was kann ich verbessern, um den Motivationslevel zu halten? Zugleich setze ich auf mündige Mitarbeiter, die sich mit Verbesserungsvorschlägen einbringen. Damit dieses Wechselspiel gelingt, muss ich als Führungskraft für die Mitarbeiter erreichbar sein und ein offenes Ohr haben.“

Motivationsstrategie

„Jeder Mensch will im Berufsleben genauso gut behandelt werden wie im Privatleben. Es ist meine Aufgabe, darauf zu achten, dass es bei Kienbaum menschlich zugeht. Wie in jeder Partnerschaft ist die Zusammenarbeit nie perfekt. Deswegen tauschen wir uns – sowohl auf Social-Media-Plattformen als auch in direkten Gesprächen – intensiv miteinander aus. Zurzeit wird vor allem diskutiert, mit welchen Konzepten wir die Digitalisierung im Unternehmen hin zum New Work vorantreiben.“

Wertschätzung

„Wertschätzung gehört zur Menschlichkeit unbedingt dazu. Ich versuche, sie auf verschiedenen Ebenen zu zeigen. Ich gebe meinen Mitarbeitern positives Feedback für die gemeinsam verrichtete Arbeit. Dabei stelle ich das Team und nicht die Führungskräfte in den Vordergrund. Indem ich meinen Mitarbeitern Möglichkeiten zur Mitgestaltung biete, bringe ich ihnen ebenfalls Wertschätzung entgegen.“

Geld

„Das Einkommen ist ein Hygienefaktor für das Arbeitsklima. Die Gehälter sollten den marktüblichen Konditionen entsprechen und zueinander in einer ausgewogenen Relation stehen. Dies ist ein Gebot der Gerechtigkeit im Unternehmen. Es gibt bei Kienbaum auch eine variable Vergütung, die von der Performance des Einzelnen, aber immer stärker vom Gesamtergebnis abhängt.“

Arbeitsbedingungen

„Mit Architektur und Design schaffen wir einen Arbeitsplatz, an dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Zurzeit verstärken wir auch Fitnessangebote, Serviceleistungen, Kulturveranstaltungen und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Mir ist es sehr wichtig, dass die Menschen bei Kienbaum zueinander in Kontakt kommen können. Solche Angebote mache ich aber nicht par ordre du mufti. Sie sind kein Muss.“

Work-Life-Balance

„Ich finde, der Begriff Work-Life-Balance führt in die Irre. Er suggeriert, dass es auf der einen Seite das gute Leben gibt und auf der anderen Seite die schlechte Arbeit. Dabei lässt sich beides nicht trennen. Wir leben, während wir arbeiten, und umgekehrt. Mein Ziel ist es, dass unsere Mitarbeiter sehr gerne zur Arbeit kommen und genauso gerne ihre Auszeit nehmen. Unsere Vertrauenskultur macht es möglich, dass sie von zu Hause aus arbeiten können, wenn sie sich zum Beispiel um ihre Familie kümmern.“

Zur Person
Fabian Kienbaum

Geschäftsführender Gesellschafter von Kienbaum 
Consultants International

Der 33 Jahre alte Unternehmer führt das Familien- und Partnerunternehmen gemeinsam mit seinem Vater Jochen Kienbaum. Zum Jahreswechsel übernimmt er allein die Leitung. Fabian Kienbaum setzt sich insbesondere für die digitale Transformation und eine moderne Führungskultur im Unternehmen ein.

Der Arbeitgeber
FABIAN KIENBAUM, GESCHÄFTSFÜHRENDER GESELL­SCHAFTER VON KIENBAUM CONSULTANTS INTERNATIONAL
Svenja Hofert

Motivationslage

„Mir scheint, dass es unter den Arbeitnehmern in Deutschland eine Art Luxusunzufriedenheit gibt. Sie entwickelt sich oft dann, wenn ein Mensch das Gefühl hat: Ein anderer hat mehr als ich. Manchmal können schon kleine vermeintliche Verschlechterungen diese Unzufriedenheit bewirken. Etwa, wenn im Konferenzraum statt der Markenkekse nur normale Kekse liegen. Jede Veränderung kann zu einer Demotivation führen. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass der Arbeitgeber seine Mitarbeiter immer wieder motiviert – vor allem, wenn er neue Entwicklungen im Unternehmen durchsetzen will.“

Motivationsstrategie

„Entscheidend ist, dass der Arbeitgeber auf die Bedürfnisse seiner Beschäftigten individuell eingeht. Es gibt kein Beglückungsprogramm für alle. Je nach Lebensphase stellen Arbeitnehmer sehr unterschiedliche Erwartungen an ihren Job. Für junge Menschen stehen meistens Lernerfahrungen und Aufstiegschancen an erster Stelle. Später wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtiger. Ältere Arbeitnehmer wünschen sich oft noch einmal ein neues Aufgabenfeld. Der Arbeitgeber sollte für die Motive seiner Beschäftigten ein offenes Ohr haben und ihnen Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer Ambitionen bieten.“

Wertschätzung

„Nur wenn der Arbeitgeber ein positives Menschenbild hat, können sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Wertschätzung gilt dem Menschen an sich, nicht nur seiner Arbeitsleistung. Wenn der Arbeitgeber Feedback gibt, sollte er vor allem das Gelungene loben, nicht die Fehler tadeln. In Deutschland ist es leider weitverbreitet, dass Fehler in den Vordergrund gestellt werden. Motivierend ist dieser negative Blick nicht.“

Geld

„Auch das Gehalt ist eine Form von Wertschätzung. Motivierend wirken sich Gehaltserhöhungen allerdings nur bis zu einer Schallgrenze von etwa 65.000 Euro im Jahr aus. Das haben verschiedene Studien gezeigt. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter sich gerecht bezahlt fühlen und Einkommensunterschiede im Unternehmen nachvollziehbar sind.“

Arbeitsbedingungen

„Die Basics müssen stimmen: Vertrocknete Pflanzen, veraltete Software, herumstehende Kisten oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten können sich negativ auf die Zufriedenheit auswirken.“

Work-Life-Balance

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist oft entscheidend, wenn es darum geht, ob ein Bewerber sich für oder gegen einen Arbeitgeber entscheidet. Optimalerweise bieten Unternehmen nicht nur Teilzeit und Jobsharing an, sondern beziehen auch die Lebenspartner ihrer Beschäftigten in die Familienförderung ein, zum Beispiel durch Coaching oder Weiterbildung.“

Zur Person
Svenja Hofert

Teamentwicklungsexpertin

Svenja Hofert beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit Mitarbeiterführung, Arbeitspsychologie sowie Karriere- und Managementberatung. Die 51-jährige Bloggerin, Buchautorin und Managementberaterin ist unter anderem Geschäftsführerin des Weiterbildungsinstituts Teamworks GTQ GmbH in Hamburg.

Die Expertin
SVENJA HOFERT, TEAMENTWICKLUNGSEXPERTIN
Olaf Kossakowski

Motivationslage

„Meine Motivation ist sehr hoch, sonst würde ich nicht schon seit 17 Jahren bei Roncalli arbeiten. Es macht mir großen Spaß, das nostalgische Erlebnis des Zirkus mit den modernen Erfordernissen der Technik und Sicherheit in Einklang zu bringen. Meine Motivation als Sicherheitsbeauftragter ist dabei auch durchaus eigennützig: Meine eigenen Knochen sollen heil bleiben.“

Motivationsstrategie

„Ich brauche Abwechslung und eigene Handlungsspielräume. Bei Roncalli ist beides gegeben. Mir wird nicht vorgeschrieben, wie ich meine Aufgaben zu erledigen habe, sondern ich kann eigene Ideen entwickeln und umsetzen.“

Wertschätzung

„Die größte Anerkennung ist, dass mein Arbeitgeber mir im Laufe der Zeit immer mehr Verantwortung übertragen und meiner Entwicklung keine Steine in den Weg gelegt hat. Als ich bei Roncalli angefangen habe, war ich Praktikant. Mit der Zeit stieg ich zum Werkstattleiter auf. Heute verantworte ich als Projektleiter zum Beispiel die Durchführung des Hamburger Weihnachtsmarktes. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einem so vielfältigen und äußerst interessanten Umfeld arbeiten würde.“

Geld

„Das Gehalt muss angemessen sein. Schließlich muss ich später einmal von meiner Rente leben können. Aber ich bin ganz bestimmt nicht aus finanziellen Erwägungen zum Zirkus gegangen. In der Industrie könnte ich wohl deutlich mehr verdienen.“

Arbeitsbedingungen

„Bei uns gibt es einen guten Teamzusammenhalt. Nach Feierabend besuchen wir gemeinsam Varietépremieren, machen Grillabende oder ziehen um den Block. Diese starke Verbundenheit mit den Kollegen motiviert mich zusätzlich für meine Arbeit.“

Work-Life-Balance

„Beim Zirkus ist es wie in der Gastronomie: Es gibt keinen Dienst nach Plan. Ich arbeite oft dann, wenn andere frei haben. In der Weihnachtszeit bin ich wochenlang nicht bei meiner Familie. Ohne den Spaß an der Arbeit und meine hohe Motivation würde ich dieses Opfer nicht bringen. Für Einsätze am Wochenende und am Abend erhalte ich Auszeiten.“

Zur Person
Olaf Kossakowski

Projektleiter und Sicherheits-beauftragter beim Circus Roncalli

Der 47-Jährige ist gelernter Maler- und Lackierermeister. Zu seinen Aufgaben bei Roncalli zählen die Organisation und Durchführung des Hamburger Weihnachtsmarktes, die Restauration von historischen Karussells sowie die Entwicklung der Lagerhaltung und Logistik. Er pendelt jeden Tag zwischen seinem Wohnort in Meerbusch und dem Arbeitsplatz Köln.

Der Arbeitnehmer
OLAF KOSSAKOWSKI, PROJEKTLEITER UND SICHERHEITS­ BEAUFTRAGTER BEIM CIRCUS RONCALLI

Die Zahlen aus dem Gallup Engagement Index 2016 klingen alarmierend. 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer fühlen sich emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 15 Prozent haben sogar schon innerlich gekündigt. Die mangelnde Motivation der Beschäftigten hemmt die Produktivität von Unternehmen. Sie kostet die Volkswirtschaft bis zu 105 Milliarden Euro jährlich, warnt das Beratungsunternehmen Gallup in der Studie, die im März 2017 veröffentlicht wurde.

Auch die vermeintlich Schuldigen für die Motivationsmisere werden in der repräsentativen Umfrage klar benannt: schlechte Chefs. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer sagt: „Die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten.“ Doch was macht gute Führung eigentlich aus? Mit welchen Mitteln können Arbeitgeber die Motivation ihrer Beschäftigten stärken und deren emotionale Bindung erhöhen? Der Unternehmensberater Fabian Kienbaum, die Teamentwicklungsexpertin Svenja Hofert und der Roncalli-Sicherheitsbeauftragte Olaf Kossakowski nehmen dazu Stellung.

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